Schiffssteckbrief: Le Dumont d’Urville
- Explorer-Klasse (Baujahr 2019)
- 9.900 BRZ
- Länge: 131 Meter
- Breite: 18 Meter
- Maximal 184 Gäste in 92 Kabinen und Suiten
- Rund 110 Crewmitglieder
- Eisklasse 1C
Das Design des Lichts: Ein Refugium der Sinne
Während meines Rundgangs durch die öffentlichen Bereiche fiel mir sofort die außergewöhnliche Atmosphäre auf. Der französische Designer Jean-Philippe Nuel hat Räume geschaffen, die von Licht, Offenheit und Natürlichkeit geprägt sind. Statt opulenter Dekoration dominieren warme Holztöne, sanfte Naturfarben und große Glasflächen. Überall entsteht das Gefühl, mit dem Meer verbunden zu sein.
Besonders positiv überrascht haben mich die Kabinen und Suiten an Bord. Alle Unterkünfte verfügen über einen eigenen Balkon oder eine private Veranda, sodass das Meer stets Teil des persönlichen Wohnraums bleibt.
Selbst die Kabinen der Einstiegskategorien bieten bereits ein angenehmes Raumgefühl, viel Tageslicht und durchdachte Stauraumlösungen. Während meiner Reise durfte ich die barrierefreie Kabine 527 bewohnen, die ich in vielerlei Hinsicht als kleinen Geheimtipp bezeichnen würde. Durch die speziell angepasste Gestaltung verfügt sie über ein außergewöhnig großzügiges Platzangebot, das deutlich über dem Standard der regulären Kabinen liegt. Gerade auf einem kleinen Luxusschiff ist dieser zusätzliche Freiraum besonders angenehm und verleiht der Kabine fast schon den Charakter einer Junior Suite.
Was mir besonders gefallen hat, war das Gefühl von Offenheit und Komfort. Nichts wirkte beengt, vielmehr entstand eine wohnliche Atmosphäre, die perfekt zum entspannten Yachtcharakter der Le Dumont d’Urville passt. Wer die Möglichkeit hat, eine dieser Kabinen zu buchen (teilweise mit Einschränkungen verbunden), erhält aus meiner Sicht einen echten Mehrwert.
Magische Momente auf See: Durch die Straße von Messina bis vor den Stromboli
Zu den eindrucksvollsten Erlebnissen meiner Reise gehörte zweifellos die Passage durch die Straße von Messina – ein Moment, der eindrucksvoll zeigt, was eine außergewöhnliche Routenführung bei Ponant ausmacht.
Noch vor Sonnenaufgang stand ich an Deck. Die Luft war klar, das Meer nahezu unbewegt, und langsam begann sich der Himmel über Sizilien in warme Gold- und Rosatöne zu färben. Während die Le Dumont d’Urville lautlos zwischen Kalabrien und Sizilien hindurchglitt, erhob sich am Horizont majestätisch der schneebedeckte Gipfel des Ätna.
Mit den ersten Sonnenstrahlen zeichnete sich seine gewaltige Silhouette immer deutlicher gegen den Morgenhimmel ab. Es war einer dieser seltenen Augenblicke, in denen man die Zeit vergisst und einfach nur schaut. Die Kombination aus dem erwachenden Tag, der ruhigen See und dem höchsten aktiven Vulkan Europas schuf eine Atmosphäre, die sich kaum in Worte fassen lässt.
Doch die Reise hielt noch einen weiteren außergewöhnlichen Höhepunkt bereit.
Bei strahlendem Sonnenschein näherte sich die Le Dumont d’Urville der vulkanischen Insel Stromboli. Anstatt lediglich in der Ferne vorbeizufahren, reduzierte das Schiff die Geschwindigkeit und positionierte sich direkt vor der Küste. Die See lag spiegelglatt da, sodass sich die dunklen Vulkanhänge nahezu perfekt auf der Wasseroberfläche spiegelten.
Die Gäste versammelten sich auf den Außendecks, während der Stromboli in voller Größe vor uns aufragte. Das intensive Blau des Himmels, die tiefschwarzen Lavagesteine und das glitzernde Mittelmeer ergaben ein Naturschauspiel von beeindruckender Schönheit. In dieser Ruhe wurde besonders deutlich, welchen Unterschied ein kleines Expeditions- und Yachtkreuzfahrtschiff machen kann. Wo große Schiffe oft nur Distanz halten können, ermöglicht Ponant intensive Begegnungen mit den Landschaften und Naturwundern entlang der Route. Besonders spannend war, dass sich auch der Kapitän persönlich auf dem Außendeck unter die Gäste mischte. Mit großer Leidenschaft berichtete er über die Region, die Navigation durch diese geschichtsträchtigen Gewässer und die Besonderheiten der Route. Seine spannenden Anekdoten und Hintergrundgeschichten verliehen diesem ohnehin eindrucksvollen Erlebnis eine zusätzliche, sehr persönliche Note.
Genau solche Momente machen für mich den besonderen Reiz einer Reise mit Ponant aus. Es sind nicht allein die faszinierenden Destinationen, die in Erinnerung bleiben, sondern vor allem die Art und Weise, wie man sie erlebt: nahbar, authentisch und mit einer Aufmerksamkeit für besondere Augenblicke, die auf größeren Schiffen oft verloren geht.
Ein Fenster zu einer anderen Welt: Die Blue Eye Lounge
Ein absoluter Höhepunkt meines Schiffsrundgangs war die berühmte Blue Eye Lounge.
Sie befindet sich unterhalb der Wasserlinie im Rumpf des Schiffes und ist weltweit einzigartig. Schon beim Betreten entsteht das Gefühl, in eine andere Sphäre einzutauchen.
Durch große Bullaugen blickte ich direkt in die Unterwasserwelt. Das gedämpfte Licht, die geschwungenen Formen und die ruhige Atmosphäre wirken beinahe meditativ.
Besonders faszinierend fand ich die integrierten Hydrophone, die die Geräusche des Meeres live übertragen.
Die Symbiose aus Inspiration und Entschleunigung
Ein ausgedehnter Seetag bot die ideale Gelegenheit, das Leben an Bord kennenzulernen.
Während draußen das Mittelmeer vorbeizog, nutzte ich die Zeit, die verschiedenen Lounges, Decks und öffentlichen Bereiche zu erkunden. Überall herrschte eine angenehme Ruhe. Gäste lasen, genossen die Aussicht oder führten entspannte Gespräche bei einem Glas Wein.
Besonders spürbar wurde dabei die Philosophie von Ponant: Reisen bedeutet hier nicht, möglichst viele Programmpunkte abzuhaken. Vielmehr geht es darum, den Moment bewusst wahrzunehmen und die Reise selbst zu genießen.
Eine weitere Besonderheit wurde beim Blick auf die Reiserouten deutlich. Aufgrund ihrer kompakten Größe kann die Le Dumont d’Urville Häfen anlaufen, die großen Kreuzfahrtschiffen verschlossen bleiben.
Während meiner Reise zeigte sich dieser Vorteil besonders eindrucksvoll bei unserem Besuch auf Elba. Statt langer Transfers oder großer Menschenmengen legte das Schiff direkt im Herzen des Hafens an. Innerhalb weniger Minuten stand ich mitten im mediterranen Leben der Insel.
Die Kunst des Genießens und der Beach Club auf See
Natürlich durfte während meiner Inforeise auch die Kulinarik nicht zu kurz kommen.
Ponant arbeitet mit Ducasse Conseil zusammen, dem renommierten Team des französischen Spitzenkochs Alain Ducasse. Entsprechend trägt die Küche unverkennbar eine französische Handschrift. Während der Reise hatte ich Gelegenheit, verschiedene Restaurants, Menüs und kulinarische Konzepte kennenzulernen.
Die Qualität der Zutaten, die handwerkliche Zubereitung und die Präsentation der Gerichte bewegten sich durchweg auf hohem Niveau. Besonders Weinliebhaber kommen an Bord auf ihre Kosten, denn die sorgfältig ausgewählte Weinkarte unterstreicht den französischen Charakter der Reise auf sehr angenehme Weise.
Dabei fiel mir auf, dass Ponant bewusst seinen Wurzeln treu bleibt. Die Küche ist authentisch französisch geprägt, elegant und oft etwas leichter als das, was viele deutschsprachige Gäste von klassischen Kreuzfahrtschiffen kennen. Wer internationale Buffets mit einer riesigen Auswahl erwartet, wird hier ein anderes Konzept vorfinden. Stattdessen setzt man auf Qualität vor Quantität, auf feine Aromen statt große Inszenierungen. Persönlich habe ich dies als sehr stimmig empfunden, auch wenn sich der eine oder andere deutsche Gast vielleicht gelegentlich noch etwas mehr Auswahl oder eine etwas bodenständigere Alternative wünschen würde.
Besonders angenehm war jedoch die entspannte Atmosphäre. Trotz des gehobenen kulinarischen Anspruchs wirkte nichts steif oder förmlich. Vielmehr herrschte jene ungezwungene Eleganz, die man sonst eher aus guten Boutique-Hotels an der Côte d’Azur kennt. Man genießt ausgezeichnetes Essen, ohne sich dabei an feste Konventionen gebunden zu fühlen.
Ein weiterer Lieblingsort an Bord war für mich der wunderschön gestaltete Außenbereich am Heck des Schiffes. Dort befindet sich die ausfahrbare Marina, die bei ruhiger See zu einem exklusiven Beach Club auf dem Wasser wird. Direkt darüber lädt der elegante Infinity-Pool dazu ein, scheinbar nahtlos mit dem Horizont zu verschmelzen.
Es gibt kaum etwas Schöneres, als nach einem Landgang im Pool zu entspannen, den Blick über das Meer schweifen zu lassen und dabei das Gefühl zu haben, auf einer privaten Yacht unterwegs zu sein. Wer möchte, kann von der Marina aus direkt ins Meer steigen, mit dem Kajak die Umgebung erkunden oder einfach auf einer Liege die Sonne genießen.
Das sanfte Ankommen
Als wir schließlich Kurs auf Nizza nahmen, näherte sich meine kurze Reise ihrem Ende.
Im Licht des frühen Morgens erschien die Küste der Côte d’Azur am Horizont. Die Le Dumont d’Urville glitt nahezu lautlos in den Hafen und fügte sich perfekt in die elegante Kulisse der französischen Riviera ein.
Nach mehreren Tagen an Bord nahm ich vor allem einen Eindruck mit: Ponant verkauft keine klassische Kreuzfahrt. Ponant schafft Reiseerlebnisse.
Die Le Dumont d’Urville verbindet Luxus mit Authentizität, Komfort mit Entschleunigung und exklusiven Service mit einer bemerkenswerten Nähe zur Natur. Wer kleine Schiffe, außergewöhnliche Routen und französische Lebensart schätzt, findet hier eine Reiseform, die weit über das hinausgeht, was viele unter einer Kreuzfahrt verstehen.
Für mich war diese Inforeise vor allem eines: eine inspirierende Begegnung mit einer ganz besonderen Art des Reisens auf See.










